Die Stadt Radebeul startet im Herbst ein bedeutendes Umwelt- und Infrastrukturprojekt: Der Lößnitzbach, bislang ein stark eingeengtes künstliches Gewässer, erhält einen neuen, naturnahen Verlauf – und mit ihm neue Chancen für Hochwasserschutz, Artenvielfalt und städtebauliche Entwicklung.
Im Oktober beginnen die Bauarbeiten mit der Errichtung einer neuen Brücke an der Kötzschenbrodaer Straße, in Höhe des Jugendtreffs „Weißes Haus“. Für die rund 1,6 Kilometer lange neue Bachtrasse, die künftig vom Bahndamm bis zur Elbmündung verläuft, wird die Straße erneut voll gesperrt.
Schutz vor Hochwasser und neue Lebensräume
Die Maßnahme ist mehr als ein klassisches Bauprojekt – sie ist ein Investitionspaket in die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Denn die Umverlegung des Lößnitzbaches schützt künftig nicht nur die angrenzenden Wohngebiete wie Altserkowitz besser vor Überflutungen, sondern schafft gleichzeitig wertvolle ökologische Rückzugsräume.
„Mit dem Projekt wird ein klares Zeichen gesetzt: Hochwasser- und Umweltschutz gehen Hand in Hand – zum Nutzen von Mensch und Natur“, betonte Béla Bélafi, Präsident der Landesdirektion Sachsen, bei der Übergabe des Fördermittelbescheids an Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche.
Die Stadt erhält rund 8,7 Millionen Euro Fördermittel vom Land. Inklusive bereits zugesagter Zuschüsse beläuft sich das Gesamtvolumen auf rund 11,5 Millionen Euro, wobei etwa eine Million Euro von der Stadt selbst getragen wird.
Ein künstlicher Bach wird wieder natürlich
Der Lößnitzbach war über zwei Jahrhunderte hinweg ein technisches Bauwerk, das zwischen hohen Mauern verlief – in Teilen sogar verrohrt. Beim Hochwasser 2013 wurden diese Mauern massiv beschädigt, eine Wiederherstellung war aus wasserrechtlichen Gründen nicht mehr zulässig. Die neue Trasse verläuft künftig westlich der bisherigen Führung, nutzt unter anderem einen alten Flussarm und führt durch ehemaliges Gärtnereigelände.
Damit wird auch eine strikte Trennung von Bach- und Mischwasserkanalnetz erreicht – eine Vorgabe, die heute gesetzlich verpflichtend ist. Die Entlastung des Kanalnetzes erfolgt künftig über ein separates unterirdisches Rohr, dessen Bau für 2027 vorgesehen ist.
Bauzeit bis Herbst 2027 – ökologische Aufwertung inklusive
Der erste Bauabschnitt beginnt mit der Brückenerrichtung im Herbst 2025 und dauert bis ins Frühjahr 2026. Parallel dazu wird das neue Bachbett modelliert und mit standortgerechter Vegetation wie Schilf, Stauden und Bäumen bepflanzt. Bis Ende 2026 sollen die landschaftsbaulichen Arbeiten abgeschlossen sein.
Der zweite Bauabschnitt folgt ab 2027: Dann entsteht das neue Entlastungsrohr für das Abwassernetz, der alte Auslaufgraben wird zurückgebaut, und auch der Seegraben erhält eine neue Mündung in die Elbe. Spätestens im September 2027 soll das gesamte Projekt vollendet sein.
Baustein für weiteren Flutschutz
Für Oberbürgermeister Bert Wendsche ist das Projekt ein entscheidender Schritt: „Das Umverlegen des Lößnitzbaches ist der erste und notwendige Baustein für weitere Flutschutzmaßnahmen. Erst wenn mehr Wasser südlich der Bahntrasse abgeleitet werden kann, können wir den Schutz nördlich davon angehen.“
Zugleich wird ein Stück Natur in die Stadt zurückgeholt – und ein historisches Gewässer erhält nach Jahrhunderten der Regulierung endlich wieder Raum zur freien Entfaltung. Ein Gewinn für alle: für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, für die Biodiversität und für das Stadtbild Radebeuls.